Folge 04
 
Leseprobe:

Einführung Typenkatalog Bundeswehr

Feldjäger- und Sanitätsfahrzeuge der Bundeswehr 1955 – 2015

1. Feldjägerfahrzeuge (Militärfahrzeuge der Bundeswehr)

Laut Aufstellungsbefehl Nr. 1 der Bundeswehr vom 06. Oktober 1955 sollten in Andernach, im ehemaligen Luftwaffenlazarett, die ersten fünf Lehrkompanien der Bundeswehr aufgestellt werden. Bereits am 15.Dezember 1955 wurde unter anderem eine Militärpolizeilehrkompanie, bestehend aus 6 Offizieren, 137 Unteroffizieren und 33 Mannschaften aufgestellt, wobei am 16.Januar 1956 mit der Ausbildung begonnen wurde. Bereits vor der Gründung der Bundeswehr stand fest, dass das Heer als größte Teilstreitkraft den Militärpolizei-Dienst aufstellen und für die Gesamtstreitkräfte (Heer, Luftwaffe, Marine) durchführen sollte. Dazu gehörte auch, dass Soldaten der Luftwaffe und der Marine für zwei oder drei Jahre zum Heer abgestellt wurden und nach ihrer Ausbildung ihren Dienst als Feldjäger ableisteten. Übrigens erging am 10.Februar 1956 die Weisung des damaligen Verteidigungsausschusses zum 30.Januar 1956, den bisherigen Begriff »Militärpolizei« durch den Begriff »Feldjäger« zu ersetzen. Zum 1.April 1956 wurde die erste Feldjägerkompanie in die Militärische Territorialorganisation der Bundeswehr eingegliedert bzw. übernommen. Ausnahmen bildeten jedoch bis Ende der 70er Jahre das Gebirgsfeldjägerbataillon 8 und die Luftlandefeldjägerkompanie 9, die als selbständige Feldjägertruppe agierten und erst mit Inkrafttreten der Heeresstruktur 4 aufgelöst und der bestehenden Feldjägertruppe unterstellt wurden. Die Lehrkompanie wurde im Jahr 1956 zunächst nach Mittenwald und danach nach Sonthofen / Bayern in die Generaloberst-Beck- Kaserne (auch Burg genannt) verlegt, wo sie als »Feldjägerschule« der Bundeswehr bis 2009 verblieb. Im Laufe der Jahrzehnte und einigen neuen Heeresstrukturen, wurde im Jahr 2002 die Feldjägertruppe neu aufgestellt und an die sogenannte Streitkräftebasis abgegeben. Im Rahmen einer erneuten Neuordnung der Bundeswehr (2013) wurde das Kommando Feldjäger wiederum umstrukturiert und neu aufgestellt.

Die Autoren wollen an dieser Stelle jedoch nicht weiter auf die Geschichte bzw. der. Entwicklung der Feldjägertruppe eingehen, sondern vielmehr die Fahrzeugausstattung im Wandel der Zeit betrachten und bildlich darstellen. Der Hauptauftrag der Feldjäger ist der sogenannte Feldjägerdienst. Zum Feldjägerdienst zählen der militärische Ordnungsdienst, der militärische Verkehrsdienst, die Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben, die Ermittlung und der Raum- und Objektschutz. Hierzu zählt auch der Militärische Abschirmdienst (MAD). Der militärische Verkehrsdienst beinhaltet die Überwachung und Regelung des militärischen Straßenverkehrs in Zusammenarbeit mit den jeweiligen örtlichen Polizeiorganen. Die von den Feldjägern vorgenommenen militärischen Verkehrskontrollen dienen der Sicherheit im Straßenverkehr, sowie der Vorsorge von Gefahren für die gesamten Streitkräfte. Weiter beinhaltet der militärische Verkehrsdienst das Erkunden und Kennzeichnen von Straßen bei Truppenverlegungen, Aufnahme von Verkehrsunfällen mit beteiligten Militärfahrzeugen, Begleiten von militärischen Gefahr- und Schwertransporten und das Planen und Überwachen des militärischen Straßenverkehrs bei Manövern und Marschkolonnen. Ferner das Einrichten von Verkehrsleitstationen und das Regeln des Verkehrs im Verteidigungsfall. Die Feldjägertruppe nimmt nur militärische Aufgaben wahr, ist jedoch keine Polizei im eigentlichen Sinn, wie die Bundespolizei bzw. Polizei der Länder.

2. Die Fahrzeuge der Sanitätstruppe

Im April 1956 wurde im Ausschuss des Deutschen Bundestages die Entscheidung für ein in den Streitkräften (Bundeswehr) integriertes Sanitätswesen festgelegt. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Sanitätstruppenschule, zunächst nur für das Heer, in Degerndorf am Inn (Bayern), aus der später die Sanitätsakademie in München hervorging. Zugleich wurde das Sanitätsbataillon 3 in Bad Eilsen und das Sanitätsbataillon 5 in Degerndorf am Inn aufgestellt. Ab 1957 entstanden auch die ersten Bundeswehrlazarette (Krankenhäuser) zur medizinischen Versorgung der Soldaten aller Teilstreitkräfte der neu entstehenden Bundeswehr. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich das Sanitätswesen der Bundeswehr ständig weiter, hierbei ist besonders die im Zuge der Bundeswehrreform 2002 erfolgte Einrichtung eines Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr (ZSanDstBw) als fünfte Teilstreitkraft hervorzuheben, der den Einsatz der Sanitätstruppe im In- und Ausland für alle Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe, Marine und Streitkräftebasis) sicherstellt und koordiniert.

In diesem Typenkatalog Folge 4 soll jedoch der Schwerpunkt auf die Ausstattung der Sanitätstruppe mit Fahrzeugen eingegangen werden. Wie bei allen neu entstehenden Truppenteilen der Bundeswehr waren auch bei der Sanitätstruppe die Anfangsjahre geprägt von einer Typenvielfalt bei der Fahrzeugausstattung. Bedingt durch den hohen Erst- bzw. Sofortbedarf, wurde speziell in den Anfangsjahren, sowohl auf Fahrzeuge der US Army (Einzelstücke), des Bundesgrenzschutzes (Einzelstücke) und besonders auf Sanitätsfahrzeuge, die auf dem damaligen zivilen deutschen Automarkt angeboten wurden, zurückgegriffen bzw. nach Teilmilitarisierung angekauft. (Siehe dazu die Typenübersicht). Erste Bestrebungen einer Standardisierung, der in großen Stückzahlen neu zu beschaffenden Sanitätsfahrzeuge, führten auch hier zu einer Klassifizierung der militärischen Tonnageklasse 0.25t, 1.5t, 3t, 5t. Dennoch kamen trotz dieses Vorhabens der Vereinheitlichung wiederum Fahrzeuge verschiedener Hersteller (was unter anderem die Ersatzteilversorgung erschwerte) zur Sanitätstruppe aller Teilstreitkräfte, bei der Marine jedoch nur in geringen Stückzahlen. Zur sogenannten Erstausstattung, auch »erste Fahrzeuggeneration« der Bundeswehr genannt, gehörten in der 0.25t Klasse der DKW Jeep (Munga) Typ F91/8 8sitzer, in der 1.5t Klasse der Mercedes-Benz S404B mit Sanitätskoffer, in der 3t Klasse der Ford G398SAM-S3 mit Sanitätskoffer und in der 5t Klasse der von der Masch.F.A-Nuernb-MAN gebaute Typ 630L2A ebenfalls mit Sanitätskoffer. Neben diesen in großen Stückzahlen beschafften Sanitätsfahrzeugen kamen im Laufe der Jahre bzw. Jahrzehnte noch eine Vielzahl von sogenannten teilmilitarisierten (tmil) Sanitätsfahrzeugen, die auf dem zivilen Automarkt angekauft wurden bzw. werden, zum Sanitätsfuhrpark hinzu. Letztere sind speziell für bundeswehreigene Krankenhäuser oder auf Fliegerhorsten der Bundeswehr im Einsatz. Hier darf auch die Übernahme von Fahrzeugen der ehemaligen NVA in den Jahren 1990 – 1995 nicht unerwähnt bleiben, die speziell zum Aufbau der Bundeswehrstrukturen in den neuen Bundesländern benötigt wurden. Neben reinen Sanitätsradfahrzeugen wurden bzw. werden auch gepanzerte Ketten- und Radfahrzeuge speziell für das Heer beschafft. Dies war speziell in den Anfangsjahren der Schützenpanzer kurz (SPz kurz Hotchkiss) in Sanitätsausführung, der Transportpanzer M113, Haegglunds(S) BV206D, später der Wiesel 2 und der Haegglunds(S) BV206S. Bei den Radpanzern sind dies die Typen TPz 1 Fuchs, YAK, Boxer und Eagle, die ab den 90er Jahren die alten Kettenfahrzeuge ablösten. Auch der Transport von Verwundeten mit Bussen (eingebaute Tragen), Eisenbahnen (Krankentransportzug mit OP- und Verpflegungswagen) Hubschraubern und Transportflugzeugen und die ehemaligen Röntgenschirmbildzüge sollen hier nicht unerwähnt bleiben. Da rein militärische Sanitätsfahrzeuge für den täglichen Truppendienst im Unterhalt zu teuer sind, wurden bzw. werden im Rahmen der jeweiligen Fahrzeuggenerationswechsel alte Fahrzeuge ausgesondert und durch neue Modelle, speziell von zivilen Anbietern bzw. Herstellern ersetzt. Dies ist speziell an der in diesem Typenkatalog dargestellten Fahrzeug-Typenvielfalt zu erkennen.

Fahrzeugtypenkatalog

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